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Vereinsgründung

Die Vorarbeiten:

Nach jahrelangen privaten Vorgesprächen trafen sich auf Einladung von Rudi Bosch erstmals am 25.7.1996 11 Bürger(innen) Baienfurts zu einem Gedankenaustausch über Notwendigkeit, Sinn und Machbarkeit einer „Kulturkooperative“, die das Ziel haben sollte, eine Identifikation mit dem Ort stiftende Kulturarbeit in Baienfurt auf verschiedenen –möglicherweise auch neuen – Wegen fortzuführen und weiter zuentwickeln.

Die Folge dieser Gesprächsrunde war die Durchführung einer Fragebogenaktion („Braucht Baienfurt einen Kulturverein?“) auf den Baienfurter Kulturtagen vom 8. – 12.10.1996, die durch ihr Gelingen der Diskussion um einen neuen Kulturverein neue Impulse gaben.

Am 22. Oktober 1996 kam es dann zu einem weiteren Treffen, auf dem Rudi Bosch das positive Ergebnis der Fragebogenaktion vorstellte und als weiteren Anstoß für die Gründung eines Kulturvereins die Tatsache hervorhob, dass mit einer eventuellen Sanierung des Hauses Waldseer Straße 4 ( ehemalige Strumpffabrik/Manufaktur Speidler ) geeignete Örtlichkeiten für die geplanten Kleinkunstaktivitäten des neuen Vereins zur Verfügung stünden.

So entstand die Idee von den zwei Zielsetzungen des neuen Vereins:
1. neuartiges Kulturangebot für Baienfurt und Baindt,
2. Förderung der Sanierung des Hauses Waldseer Straße 4

Durch die Verknüpfung der Zukunft des Kulturvereins mit der Zukunft des Hauses Waldseer Straße 4 geriet die Diskussion um den neuen Kulturverein kurzfristig in den Sog der Diskussion um die Zukunft des Hauses Waldseer Straße 4. So wurde in einem Zeitungsartikel der SZ vom 26.10.1996 vom Fraktionsvorsitzenden der FWV im Baienfurter Gemeinderat, Franz Riedinger, ausgeführt, dass angesichts der knappen finanziellen Mittel der Gemeinde und der geplanten Sanierung der Gemeindehalle kein Geld für die Sanierung des Hauses Waldseer Straße 4 zur Verfügung stünde und dass im übrigen auch kein Bedarf für die Einrichtung eines Kultur- und Bürgerhauses bestehe.

In dieser Situation kam es am 28.11.1996 zu einem dritten Vorbereitungstreffen, auf dem die Funktion des neuen Kulturvereins als Förderverein für den Erhalt und die Sanierung des Hauses Waldseer Straße 4 bestätigt wurde. Gleichzeitig wurden bereits konkrete Vorbereitungen für die Vereinsgründung getroffen, durch personelle Absprachen und die Verteilung eines Satzungsentwurfs.

Am 12. Dezember 1996 kam es dann im Gemeinderat zur Entscheidung über die Zukunft des Hauses Waldseer Straße 4. Nach kontroverser Diskussion stimmte der Gemeinderat mehrheitlich für die Sanierung des Hauses und für eine zukünftige halböffentliche Nutzung des Hauses ( private Läden im Erdgeschoss, öffentliche Nutzung im 2. Obergeschoss und im Dachgeschoss ). Damit hatte der neu zu gründende Verein eine potentielle Heimat.

Die Gründungsversammlung:

Am 20. Februar 1997 kam es dann zur Gründungsversammlung des Kulturvereins, auf der nicht nur die Satzung verabschiedet und Rudi Bosch zum ersten Vorsitzenden gewählt, sondern auch über den Namen des Vereins entschieden wurde. Nachdem in einem Ideenwettbewerb Vorschläge wie Bretterteig, Kardel-Kult, Klein-Paris, Kulturmühle, KU(ltu)RVE(ein), Laufmasche, Manufaktur und Strumpf-Fabrik gesammelt worden waren, entschied sich eine Mehrheit der 31 Gründungsmitglieder für den Namen „Manufaktur“, durch den die enge Verbindung des Kulturvereins mit dem Haus Waldseer Straße 4 ,dem Sitz der ehemaligen Strumpffabrik/Manufaktur des Verlegers Franz Joseph Speidler, zum Ausdruck gebracht wird. Gleichzeitig verankerte die Gründungsversammlung die Unterstützung der Gemeinde bei der Sanierung als Ziel des Vereins in der Vereinssatzung und schuf damit die Möglichkeit zur finanziellen Unterstützung der Sanierung durch das Sammeln von Spenden gegen Spendenquittung.

Ziele und Inhalte

Als Zielsetzung für den neuen Verein hob Rudi Bosch hervor, dass der Verein – fern vom Kultur-Konsum - darauf setze, die Leute zum Mitmachen und zur eigenen Gestaltung von Kultur zu motivieren. Der Verein solle eine Plattform für Künstler aus der Gemeinde und der Region bieten und sich schwerpunktmäßig für Kinder- und Jugendkultur stark machen. Der Verein sei kein Konkurrenzunternehmen zu den anderen kulturschaffenden Vereinen in Baienfurt, da jeder Verein seinen eigenen Stellenwert habe.

Die neue Heimat
Wichtig für den neugegründeten Kulturverein war im Folgenden der Gemeinderatsbeschluss vom 9. Juli 1997, der der „Manufaktur“ die definitive Zusage gab, nach der Sanierung des Hauses Waldseer Straße 4 im kleinen Saal im Dachgeschoss mietfrei Kleinkunstveranstaltungen durchführen zu können. Damit war der Wunsch des Vereins nach einer passenden Heimat, der ja auch hinter dem Vereinsengagement für die Sanierung des Hauses stand, erfüllt. Auf der ersten Mitgliederversammlung des neuen Kulturvereins „Manufaktur“ wurden am 13.5.1997 die Weichen gestellt, um das konkrete Parteileben in Gang zu bringen. Die erste Möglichkeit zur öffentlichen Präsentation der „Manufaktur“ bot sich schon bald. Unter dem Motto „Der Kulturzug rollt“ gestaltete der Kulturverein mit einem eigenen Programm ( z.B. Jazz-Musik live vom Eisenbahnwaggon ) am 1. Juni das Fest zur Wiedereröffnung des Bahnhofs Niederbiegen als BOB-Haltepunkt anlässlich der Norderweiterung der Bodensee-Oberschwaben-Bahn von Ravensburg nach Aulendorf.

Abgrenzung und Integration
Im Rahmen der Aktivitäten „Entwicklungskonzept Baienfurt 2010+“ kam es im Frühsommer 1999 zu der schon lange von Seiten des Kulturvereins gewünschten Abgrenzung der Aufgaben des Kulturbeirats und des Kulturvereins. Auf einer Besprechung zwischen dem Vorstand des Kulturvereins, dem Leiter des Kulturbeirats, Herrn Hummel, und Mitgliedern der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderats wurde festgelegt, dass die VHS, Kunstausstellungen und das Kinderkino wie bisher in den Aufgabenbereich des Kulturbeirats gehören sollten. Der Kulturverein solle sich dagegen um Kleinkunst in den Bereichen Musik, Theater und Kindertheater, Literatur und Kabarett kümmern.

Gemeindezuschüsse
Um diese Aufgaben erfüllen zu können, erhält der Verein von der Gemeinde Baienfurt einen jährlichen Zuschuss, der dazu beitragen soll, ein in diesem Metier unvermeidbares Finanzdefizit wenigstens teilweise auszugleichen. Mit der jährlichen Bewilligung bringt der Gemeinderat aber auch seine Anerkennung für die Bemühungen des Vereins um ein breitgefächertes Kulturangebot und die erfolgreiche Zusammenarbeit während der Sanierungsphase zum Ausdruck.