| Freitag, 20.09.2002 · 20 Uhr Eintritt: 8.-/6.-EUR Wer nichts wagt, gerinnt! 4. Baienfurter Kleinkunst-Nacht Jedes Jahr im September, wenn in Baienfurt die Kulturtage im Speidlerhaus angesagt sind, dieselbe Frage: Gibt es sie auch in diesem Jahr, die echten Baienfurter Amateur-Klein-Künstler und -Künstlerinnen, die es wagen, ins Rampenlicht der Speidlerhaus-Bühne zu treten oder versauern zum wiederholten Male unentdeckte Talente auf der Geburtstagsfeier des Großonkels oder der Arbeitskollegin, die ihren Vierziger feiert? Was alles schlummert - vielleicht bis heute unerkannt - an künstlerischen Fähigkeiten und Ausdrucksformen in den potentiellen Stars dieser Kleinkunst-Nacht? Poesie und Wahnsinn, Traumhaftes und Alptraumgleiches, Musikalität und Rhythmus, Spontanität und Selbstironie, dies alles und mehr werden Sie erleben und wie immer ist Ihr Applaus Motivation und einziger Lohn der Akteure. Durch das Programm führt - und ist damit selbst Programm - ein Moderatoren-Team, dessen Identität strengstens gehütetes Geheimnis ist, das erst zu Beginn des Abends gelüftet werden soll. Eines sei jedoch an dieser Stelle verraten: es handelt sich dabei um nicht ganz unbekannte Personen der Baienfurter Kulturszene, die schon immer einmal ungestraft den Mund etwas voll nehmen wollten. Nachlese Schäbische Zeitung vom 24.09.02 BAIENFURT (fg) - Im Rahmen der Baienfurter Kulturtage im Speidlerhaus war die vierte Kleinkunstnacht ein Höhepunkt. Poesie und Wahnsinn, Traumhaftes und Albtraum wechselten mit Musik und Selbstironie in unterhaltsamer Weise im bunten Programm ab. Die beiden Vorstände des Kulturvereins „Manufaktur" Helmut Endler und Rudi Bosch wurden schon bei der förmlichen Begrüßung der vielen Besucher und mehr als zwei Dutzend Akteure von Bühnenprofi Uli Böttcher abgelöst, der mit heiterer Dichtkunst die Conference des Abends übernahm. RosI Wirbel eröffnete das Geschehen mit ihrer gereimten Mann-Suche solistisch in der Hoffnung, „dass i endlich hier ein find - für meine 12 Kindl". Die vereinseigene Theatergruppe „manufaction" bot einen wilden Song in hektischem Reigen aus dem im November sechsmal auf die Bühne kommenden Stück „Der Weltuntergang". Ein rasch gelöstes Bilderrätsel kündigte internationale Songs des „Manufaktur-Haufen" unter der temperamentvollen Stabführung von Schtine Ruoff an. Was die Dirigentin den zehn Sängerinnen und fünf stimmgewaltigen Männern inzwischen - auswendig gesungen - beigebracht hat, fand einhellige Bewunderung. Kirchgängerin Mali Gögler glänzte einmal mehr mit ihren Bemerkungen während des Sonntagsgottesdienstes. Neben neuen Haarfarben, wieder passendem Pelzmantel und grauslichen Hüten der Banknachbarn war neben dem daheim wohl nicht ausgesteckten Bügeleisen „die Hauptsach- i hon betet". Die Lachmuskeln beruhigte dann Rudi Bosch mit seinem von südländischen Diaaufnahmen ergänzten Gitarrensolo. Am Klavier erfreute Ortwin Biemel mit seinen schmissigen Ragtimevorträgen. Den umjubelten Programmabschluss gestaltete Uli Böttcher mit Losgewinner Bürgermeister Robert Wiedemann gemeinsam. Um die rhetorische Erscheinung des Gemeindechefs weiter zu steigern, durfte er auf Themenzuruf über „Glatteis am Wahltag" referieren, derweil der hinter ihm stehende Schauspieler die gestikulierenden Hände lebensecht vorstreckend zur Verfügung stellte. Die Zuschauer prusteten lauthals über die urkomische Solodarbietung, mit der wieder ein gelungener Kleinkunstabend in anhaltenden Lachsalven zu Ende ging.
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